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Der heutige Artikel im STANDARD (9. März 2012) mit der Diskussion zwischen Kulturministerin Claudia Schmied und Franz Schuh über Autoren und Markt mit dem Titel: “Abhängig bist du immer”, lässt sich zur Caravaggio-Oper so in Bezug bringen:
Baglione, C.’s Feind, selbst Maler und Vertreter des Establishments, das mittels Banalem, Ablenkung und Einlullung regiert, wobei die Systemkünstler Ihren Mangel zur Tugend erheben - frei nach Karl Kraus, in Zeiten niedriger Kultursonne würden sogar Zwerge einen langen Schatten werfen - , dieser Baglione fürchtet C., weil dieser in seiner Kunst das schafft, was ihm selbst verwehrt ist und was alle ersehnen: Leben, Freiheit, Unmittelbarkeit, Wahrheit. Damit die Bewußtseinstrimmung der Öffentlichkeit nicht ins Stocken und Bagliones Fundament nicht ins Wanken gerät, bläst er zur heimtückischen Jagd auf C. Dieser aber will kein Lakai für ein wenig Karriere sein und nicht vor Leuten glänzen, die nicht durchblicken. Sein Ende (Tod in Puerto Ercole) wird zum Anfang, während die Namen seiner Verhinderer heute vergessen sind.
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Ein Porträt des Komponisten Nikolaus Schapfl. Teil 6 von 7: E- und/oder Filmmusik.
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Ein Porträt des Komponisten Nikolaus Schapfl, Teil 5 von 7: Kritiker und Dekonstruktivisten.
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Ein Portrait des Komponisten Nikolaus Schapfl, Teil 4 von 7: Was bedeutet Künstler sein?
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Nikolaus Schapfl über seine Arbeit an Caravaggio, das mulmige Gefühl des Kontrollverlustes, und die “Reinschrift” am Computer.
Mit der Aufführung von Caravaggio Elements am kommenden Sonntag ist es soweit: Zum ersten Mal kann die Öffentlichkeit einen Vorgeschmack auf die Oper gleichen Namens des in Salzburg lebenden deutschen Komponisten bekommen.
“Komponieren - da ist Anstrengung dabei. Es ist wie Diamanten schürfen: Um einen zu finden, muss man erst einmal zu schürfen anfangen. So ist der Kern der kreativen Arbeit ja auch als Schriftsteller – dass man irgendwann die zündende Idee hat. Leonard Bernstein hat ja einmal gesagt, da entsteht plötzlich ein Kurzschluss und dann Watsch! Bumm! entsteht da etwas neues und genau so ist es dann, das stimmt schon.”
Das Komponieren in Klängen und Farben ist für eine Oper besonders wichtig, die die starken Kontraste und den Tenebrismo eines Caravaggio zum Leben erwecken will - klanglich und buchstäblich, auf der Bühne. Schapfl beschäftigt diese Herausforderung seit Jahren: “Zum Beispiel das Licht. Es glitzert durch einen Ahornbaum - das habe ich musikalisch umgesetzt und dargestellt.” Dabei spielt eine wichtige Rolle, mit welchen Instrumenten der Komponist “malen” kann.
Das Erarbeiten der Klänge, die sich schon in statu nascendi mehr oder weniger instrumentell gebunden konkretisieren, der Farben und Bilder, im Kopf und auf Notenpapier - ist die eine Sache. Die andere ist eine Version für speziell gewünschte Besetzung zu erstellen, zum Beispiel für ein Streichorchester wie im Fall der Kammerphilharmonie dacapo München, die unter der Leitung von Franz Schottky in der Residenz die Uraufführung spielen wird. Dabei geht es einerseits um die unverwechselbare Identität der einzelnen Instrumente, dh. ihren je eigenen Klang und ihre typischen Bewegungsattribute. Darüberhinaus erlaubt der Computer als Schreibgerät ein schnelleres Arbeiten als früher.
“Man muss darauf achten: Was kann ein Streicher spielen, was ein Horn nicht spielen kann? Mit der Geige sind schnellere Läufe möglich als z.B mit einer Posaune, die darüberhinaus kein Legato spielen kann. Jedoch wird man mit Streichern kaum die markigen Akzente erreichen wie mit den Posaunen. Man muss die Identität der einzelnen Instrumente erfassen und darauf Rücksicht nehmen.” Im Idealfall kommt dabei wieder etwas neues heraus, wenn die Eigenheiten des Instrumentes, seine Klangfarbe und seine spielerischen Möglichkeiten vom Komponisten in das Kunstwerk integriert werden: “Das Schillern des Lichtes in der Endfassung ist sehr gut mit Streichern möglich”, erklärt Schapfl. “In einer späteren Fassung, wie ich sie jetzt für großes Sinfonieorchester erstellen soll, werden mir außerdem die Flöten sehr hilfreich dabei sein.” Da gibt es natürlich manchmal gute Ideen, die einem zu den Instrumenten einfallen - , z.B. die Flöten tiefer als die Bratsche oder ein Pizzicato-Effekt.”
Für das Konzert in München am 15. Mai stehen dem Komponisten nur Streicher zur Verfügung. Schapfl schätzt diese Herausforderung: “Streicher sind etwas Wunderbares. Sie haben eine bestechende Dynamik. Das kann durch und durch befriedigend sein: Natürlich ist der Flug des Segelfliegers leicht, federleicht. Wenn Du hinten noch einen Düsen-Antrieb daran hängst, ist das etwas ganz anderes. Einen markanten Tuttischlag zu erzielen, das ist mit Streichern ganz nett aber nicht zu vergleichen mit dem Schlag von Posaunen, Tuba und Pauken.”
In der Umsetzung einer im Particell (Klaviersatz mit zusätzlichen Notationshinweisen für Instrumente) skizzierten Oper, die dann wiederum in Auszügen für ein Streichorchester gesetzt werden muss, stehen Komponisten heute andere Werkzeuge zur Verfügung als noch vor 50 Jahren: “Der Mozart musste ja ein ganzes Heer an Kopisten beschäftigen und auch überwachen, damit sie ihm seine Musik nicht stehlen”, lächelt Schapfl. Zwar schätzt er - und betreibt - die Arbeit mit Stift und Notenpapier. Aber die Noten dann qualvoll in Schönschrift per Hand zu vervielfältigen, das ist weder nötig noch sinnvoll.
Wichtig im Nutzen der Technik ist für Schapfl, dass sie dem eigentlichen kreativen Prozess nicht im Weg steht. “Man darf sich davon nicht steuern lassen, wenn man dieses tiefe Erfühlen der inneren Welt von Caravaggio versucht.”
Die Aufführung der eigenen Musik dann in der Öffentlichkeit zu erleben, als im Publikum anwesender Komponist, ist einerseits ein lang ersehnter Moment. Andererseits ist es “auch ein mulmiges Gefühl des Kontrollverlustes”, gesteht Schapfl. “Man verspürt nicht immer eine Gänsehaut, wenn die Musik dann zum ersten Mal erklingt”, dazu kenne man die eigene Arbeit zu gut und wisse auch, wie sie im Prinzip klingen wird. “Aber es ist schon, wie wenn man den ersten Flug mit einem Gleitschirm fliegt, denn der Gesamteindruck wird immer neu sein.”
Um genau dieses “Fliegen” geht es letzten Endes auch, so Schapfl: “Ein guter Freund, der mittlerweile in der bayerischen Staatsoper ist, hat mir vor Jahren den guten Rat gegeben: ‘Du musst es loslassen’ - das stimmt, erst dann kann man es auch mit anderen Menschen gemeinsam erleben. Und das ist eigentlich das wichtigste in meiner Berufung als Komponist. Man will sich ja nicht nur ‘selbst verwirklichen’ - man versucht etwas objektiv Gültiges zu machen, für Menschen, die ja immerhin ein, zwei Stunden ihre Zeit investieren und zu einem Konzert, einer Aufführung gehen.”
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Ein Porträt des Komponisten Nikolaus Schapfl, Teil 3 von 7: Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts.
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Ein Porträt des Komponisten Klaus Schapfl, Teil 2 von 7: Avantgarde.
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Ein Porträt des Komponisten Nikolaus Schapfl. Teil 7 von 7: Erlebnis Filmmusik.
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